Von der Produktion zur Umwelt: Einführung eines ISO-14001-Systems bei HIRSCH Koviflex

2. Oktober 2026

Črta

Die Einführung eines Umweltmanagementsystems gemäß ISO 14001 stellt für ein produzierendes Unternehmen ein bedeutendes organisatorisches und fachliches Projekt dar, insbesondere wenn sämtliche Produktionsphasen innerhalb des Unternehmens durchgeführt werden – vom Zuschnitt über die Bearbeitung und das Schweißen bis hin zur Endmontage und Lackierung der Produkte.

Dabei geht es nicht lediglich um die Erstellung von Dokumentationen. Vielmehr geht es um die systematische Ermittlung der Umweltauswirkungen der betrieblichen Tätigkeiten, die Verknüpfung gesetzlicher und anderer Anforderungen, die Bewertung der Bedeutung von Umweltaspekten sowie die Festlegung geeigneter Maßnahmen zu deren Beherrschung.

Bei HIRSCH Koviflex bestand eine der größten Herausforderungen bei der Einführung des Umweltmanagementsystems darin, die Anforderungen der Norm in die tatsächlichen Produktionsprozesse zu übertragen. Besonderes Augenmerk wurde auf unsere Produktionstechnologien, den Umgang mit gefährlichen Stoffen und Abfällen, die Nutzung natürlicher Ressourcen, Emissionen aus verschiedenen Produktionsbereichen sowie die Umweltauswirkungen von Lieferanten und externen Dienstleistern gelegt.

1. Von der Dokumentation zur tatsächlichen Beherrschung der Umweltaspekte

Einer der wichtigsten Schritte bei der Einführung des ISO-14001-Systems war die Erstellung eines Registers der Umweltaspekte. Dabei ermittelten wir, in welchen Bereichen unserer Tätigkeiten Auswirkungen auf die Umwelt entstehen können und wie bedeutend diese Auswirkungen sind.

Bei der Bewertung berücksichtigten wir mehrere Kriterien, darunter:

  • gesetzliche und andere Anforderungen,
  • Kosten,
  • Umweltbelastung,
  • die Meinung interessierter Parteien bzw. der Öffentlichkeit,
  • die Lebenszyklusperspektive.

2. CNC-Maschinenpark von HIRSCH Koviflex: Verbindung von moderner Produktion und Umweltschutz

Eine wichtige Erkenntnis war, dass eine einzelne Produktionstätigkeit in der Regel nicht nur einen Umweltaspekt aufweist. Ein Produktionsprozess kann gleichzeitig den Energie- und Materialverbrauch, die Abfallentstehung, Luftemissionen, Lärm sowie den Einsatz gefährlicher Stoffe beeinflussen.

Die CNC-Produktion stellte bei der Einführung des Systems eine der größeren Herausforderungen dar, da die einzelnen Auswirkungen getrennt betrachtet und mit den tatsächlichen Produktionsprozessen verknüpft werden mussten.

Bei den CNC-Maschinen identifizierten wir mehrere wesentliche Umweltaspekte, darunter:

  • Stromverbrauch,
  • Einsatz von Metallmaterialien,
  • Entstehung von Metallabfällen und Spänen,
  • Einsatz von Emulsionen und anderen Prozessflüssigkeiten,
  • Einsatz von Ölen,
  • Entstehung von mit Öl und anderen Stoffen verunreinigten Abfällen,
  • Emissionen und Aerosole im Zusammenhang mit Bearbeitungsprozessen,
  • Lärmentwicklung durch Produktionsanlagen,
  • Möglichkeit von Notfällen und Verschüttungen bzw. Leckagen.

Dabei wurde deutlich, dass ein wirksames Umweltmanagement eine genaue Kenntnis des technologischen Prozesses und der damit verbundenen Tätigkeiten voraussetzt. Eine allgemeine Bezeichnung wie „CNC-Bearbeitung“ ist nicht ausreichend. Es muss bekannt sein, welche Materialien, Maschinen und Stoffe im Prozess eingesetzt werden, welche Stoffe und Abfälle dabei entstehen und wie die daraus resultierenden Abfälle bzw. Emissionen beherrscht werden.

Nur ein solcher Ansatz ermöglicht es, die Umweltaspekte mit der tatsächlichen Arbeitsumgebung zu verknüpfen und sicherzustellen, dass sie nicht lediglich formale Einträge in der Dokumentation bleiben.

3. Lackiererei: Umweltbezogene Herausforderungen und deren Beherrschung

Eine besondere Herausforderung stellte auch die Lackiererei dar, in der gleichzeitig verschiedene Umweltaspekte auftreten.
Im Rahmen des Prozesses betrachteten wir insbesondere den Einsatz von Farben, Lacken und anderen chemischen Zubereitungen, Emissionen in die Luft, den Umgang mit Farb- und Lackresten, die Entstehung gefährlicher Abfälle sowie die Anforderungen an die Lagerung und den Umgang mit gefährlichen Stoffen.

Ein wichtiger Bestandteil des Systems war auch die Sicherstellung eines geeigneten Vorgehens im Falle einer Verschüttung, eines Lecks oder eines anderen Notfalls. Der Umweltaspekt wurde daher nicht nur unter dem Gesichtspunkt des normalen Betriebs der Lackiererei betrachtet, sondern auch im Hinblick auf mögliche Notfallsituationen.

Diese Denkweise ist für ein wirksames vorbeugendes Handeln im Rahmen des ISO-14001-Systems von großer Bedeutung. Ziel ist nicht nur die Reaktion auf bereits entstandene Umweltschäden, sondern vor allem deren Vermeidung.

4. Sicherer und geordneter Umgang mit Abfällen und gefährlichen Stoffen

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Einführung des Systems war die systematische Abfallbewirtschaftung. Besonderes Augenmerk wurde auf gefährliche Abfälle gelegt, wie Altöle, ölverunreinigte Materialien, verunreinigte Filter und Reinigungsmaterialien, Altfarben und Lacke sowie andere mit gefährlichen Stoffen verunreinigte Verpackungen.

Dabei wurden Verfahren zur Trennung, Kennzeichnung, Zwischenlagerung und Übergabe der Abfälle an autorisierte Entsorgungsunternehmen festgelegt.
Wichtig sind auch die Rückverfolgbarkeit der anfallenden Abfälle und das Verständnis darüber, aus welchem Produktionsprozess der jeweilige Abfall stammt.

Ähnliches gilt für die Lagerung und Verwendung chemischer Stoffe und technischer Gase. Für Gasflaschen, Öle, Farben, Reinigungsmittel und andere Stoffe wurden geeignete Kennzeichnungs- und Lagerbedingungen festgelegt, die Verfügbarkeit von Sicherheitsinformationen sichergestellt und Maßnahmen zur Kontrolle möglicher Umweltrisiken eingeführt.

5. Gesetzliche Anforderungen als Bestandteil unseres Systems

Einer der anspruchsvolleren Bereiche bei der Einführung des Systems war die Ermittlung und Überwachung der gesetzlichen und sonstigen Anforderungen, die sich auf unsere Umweltaspekte beziehen.

Dabei verknüpften wir die einzelnen Umweltaspekte systematisch mit den relevanten Bereichen der Gesetzgebung, unter anderem:

  • Abfallwirtschaft,
  • gefährliche Chemikalien,
  • Luftemissionen,
  • Wasser,
  • Lärm,
  • Lagerung gefährlicher Stoffe,
  • Umgang mit Ölen und anderen gefährlichen Stoffen,
  • Nutzung von Energie und natürlichen Ressourcen.

Wichtig ist, dass das Rechtsregister nicht losgelöst von der Produktion erstellt wird. Die Anforderungen müssen eng mit den konkreten Prozessen und Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens verknüpft sein.

6. Das System muss in der Praxis funktionieren

Eine der wichtigsten Erfahrungen bei der Einführung des Systems war die Erkenntnis, dass ein wirksames ISO-14001-System nicht nur in der Dokumentation bestehen darf.

Verfahren, Arbeitsanweisungen und Aufzeichnungen müssen die tatsächlichen Gegebenheiten im Unternehmen widerspiegeln. Die Mitarbeiter müssen ihre Verantwortlichkeiten, den richtigen Umgang mit Abfällen, gefährlichen Stoffen und Materialien sowie die erforderlichen Maßnahmen im Falle eines Notfalls verstehen.

Auch die regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit des Systems ist von besonderer Bedeutung. Umweltaspekte können sich durch neue Maschinen, neue Materialien, Änderungen der Produktionsprozesse oder neue gesetzliche Anforderungen verändern.
Daher sind das Register der Umweltaspekte und die damit verbundenen Maßnahmen keine Dokumente, die einmal erstellt und anschließend unverändert gelassen werden. Es handelt sich um ein lebendiges System, das im Unternehmen verankert sein und sich kontinuierlich weiterentwickeln muss.

7. Erfolgreich abgeschlossene Zertifizierung

Die Einführung eines Umweltmanagementsystems gemäß ISO 14001 stellte für unser produzierendes Unternehmen ein komplexes Projekt dar. Dabei mussten technologisches Fachwissen, Umweltanforderungen, gesetzliche Vorgaben und die tägliche Arbeit der Mitarbeiter miteinander verbunden werden. Gleichzeitig war es erforderlich, die Abstimmung mit dem Qualitätsmanagementsystem sicherzustellen.

Die größte Aufmerksamkeit musste auf Prozesse mit einer Vielzahl von Umweltaspekten gelegt werden, insbesondere auf den CNC-Maschinenpark und die Lackiererei. Gerade die Analyse dieser Prozesse zeigte, wie wichtig es ist, Umweltaspekte auf Grundlage eines tatsächlichen Verständnisses der Produktionsprozesse zu ermitteln.
Der erfolgreich abgeschlossene externe Zertifizierungsaudit durch Bureau Veritas Austria ohne festgestellte Nichtkonformitäten stellt für das Unternehmen eine wichtige Bestätigung dar, dass das eingeführte System in die tatsächlichen Prozesse des Unternehmens integriert ist.

Wir sind uns bewusst, dass der größte Nutzen der Einführung von ISO 14001 nicht allein in der Erlangung des Zertifikats liegt. Das System bildet vielmehr die Grundlage für eine langfristige und systematische Verbesserung der Umweltleistung des Unternehmens, ein besseres Risikomanagement, einen effizienteren Einsatz von Ressourcen und eine größere Transparenz hinsichtlich der Umweltauswirkungen unserer Produktionsprozesse.

Alena Bajrami
Interner und externer Auditor für Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme
ISO 9001 | ISO 14001

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